Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Geld, das du im Ruhestand brauchst, und dem, was tatsächlich auf deinem Konto ankommt. Die meisten Menschen kennen ihre Lücke nicht. Und was du nicht kennst, kannst du nicht schließen. Die gute Nachricht: Du brauchst dafür weder ein Finanzstudium noch einen Berater. Nur deine Renteninformation, 15 Minuten Zeit und diese Anleitung.

Schritt 1: Renteninformation raussuchen
Die Deutsche Rentenversicherung schickt dir einmal im Jahr die sogenannte Renteninformation. Ein unscheinbarer Brief, der bei vielen ungelesen im Ordner landet. Such ihn raus. Falls du ihn nicht findest, kannst du ihn online über die Website der Deutschen Rentenversicherung anfordern oder dir dort direkt dein Rentenkonto anzeigen lassen (Hier gehts zur Deutschen Rentenversicherung).
Schritt 2: Die richtige Zahl ablesen
In der Renteninformation stehen drei Zahlen. Wichtig für dich ist die mittlere: deine künftige Regelaltersrente, wenn du so weiterarbeitest wie bisher. Die dritte Zahl mit der Hochrechnung inklusive Rentenanpassungen klingt verlockender, ist aber eine optimistische Annahme. Rechne konservativ, dann wirst du später positiv überrascht und nicht umgekehrt.
Schritt 3: Von brutto auf netto denken
Die Zahl im Brief ist eine Bruttozahl. Davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung ab, und je nach Höhe auch Steuern. Als grobe Orientierung kannst du rund 20 Prozent abziehen, um bei einer realistischen Netto-Rente zu landen.
Schritt 4: Deinen Bedarf im Ruhestand bestimmen
Wie viel brauchst du monatlich im Ruhestand? Eine bewährte Faustregel: etwa 80 Prozent deines heutigen Nettoeinkommens. Einiges fällt weg (Fahrtkosten zur Arbeit, vielleicht die abbezahlte Wohnung), anderes kommt dazu (Gesundheit, mehr freie Zeit). Wenn du es genauer willst: Nimm deine heutigen monatlichen Ausgaben als Basis, das ist ehrlicher als das Einkommen.
Schritt 5: Die Lücke berechnen
Jetzt die einfache Rechnung: Bedarf minus Netto-Rente = Rentenlücke.
Ein Rechenbeispiel, ausdrücklich als vereinfachtes Beispiel zu verstehen, nicht als Prognose:
- Heutiges Nettoeinkommen: 2.400 Euro
- Bedarf im Ruhestand (80 Prozent): 1.920 Euro
- Gesetzliche Rente laut Renteninformation (brutto): 1.400 Euro
- Davon netto (minus rund 20 Prozent): etwa 1.120 Euro
- Rentenlücke: rund 800 Euro pro Monat
800 Euro pro Monat, jeden Monat, über einen Ruhestand von 20 bis 25 Jahren. Das sind in Summe über 200.000 Euro. Diese Zahl soll dich nicht lähmen, sondern wachrütteln: Je früher du sie kennst, desto kleiner sind die monatlichen Beträge, mit denen du sie schließen kannst. Jedoch ist das bis hierher nur die halbe Wahrheit….
Nicht vergessen: die Inflation
Deine Rentenlücke in heutigen Euro ist nur die halbe Wahrheit. Bei rund 2 Prozent Inflation pro Jahr ist die Kaufkraft von 1.000 Euro in 30 Jahren nur noch etwa halb so groß. Deshalb gilt: Die Lücke wächst mit der Zeit, wenn du nichts tust. Auch das ist kein Grund zur Panik, sondern ein Argument, früh anzufangen. Und auch hier: Lass dich vom Bescheid nicht täuschen. Im Kleingedruckten deiner Renteninformation steht sogar das es NICHT inflationsbereinigt ist. Das bedeutet: Eine heutige Lücke von knapp 800 Euro entspricht in 30 Jahren bei 2,5 Prozent Inflation ungefähr 1.700 Euro Lücke pro Monat, nur damit du die gleiche Kaufkraft hast wie heute.
Warum das Thema besonders Frauen betrifft
Frauen bekommen in Deutschland im Schnitt sogar nochmal rund 40 Prozent weniger Rente als Männer. Nicht, weil sie schlechter mit Geld umgehen, sondern wegen Teilzeit, Care-Arbeit und Gehaltslücke. Wer davon betroffen ist, hat meist eine größere Lücke und gleichzeitig weniger Spielraum. Umso wichtiger ist der erste Schritt: die eigene Zahl kennen.
Deine nächsten Schritte
- Rechne deine Lücke aus. Mit meinem kostenlosen Rentenrechner geht das in wenigen Minuten, ohne Anmeldung.
- Verschaffe dir einen Überblick über deine Ausgaben. Wer weiß, wohin das Geld fließt, findet fast immer Sparpotenzial für den Vermögensaufbau.
- Fang klein an, aber fang an. Schon 50 bis 100 Euro monatlich machen über Jahrzehnte einen großen Unterschied.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der finanziellen Bildung und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Alle Rechnungen sind vereinfachte Beispiele.
